The Doctor is right

[…] People ask me if I’m optimistic or pessimistic about this stuff and that’s a prediction – optimism and pessimism – and science fiction writers, who make predictions about the future, are like drug dealers who sample their own product. It never ends well. Because after all, if I were optimistic about the future, every morning I would get out of bed and do everything I could to make computers into a tool for liberation instead of surveillance and oppression; and if I was pessimistic about the future, I’d get out of bed every morning and do everything I could to make computers safe for the world and the world safe for computers.

Instead of optimism or pessimism I’d like you to take on something far more important, which is hope. When your ship sinks in the open sea as we’ve seen happening with horrific regularity in the Mediterranean, you tread water and you don’t tread water because it’s likely that you’ll be picked up – almost everyone who stranded out in the middle of sea doesn’t get picked up. But everyone who’s ever been rescued treaded water until someone came along. It is a necessary but insufficient condition for improving things and moreover, if there were people around you, who couldn’t kick for themselves, you’d carry them. You kicked until you ran out of legs to kick with, because maybe they would kick for you, when you got tired and because you love them and you take care of the people that you love.

People who care about computers and know about computers and know about the Internet and know about privacy and know that „nothing to fear“ and „nothing to hide“ is wrong, we’re the people who are conscious and aware and can keep kicking and it’s our duty to bring along the people who haven’t quite got there. After all privacy is a team sport. If you run your own secure mail server, but all your friends keep their mail on some web mail server run by a company with Prism in its data center, it doesn’t matter. You have to bring them along.

Solve the parts of the problem that you can and maybe we’ll think of what the next step is to solve the rest of the problem.

Here in Germany you have Netzpolitik, all around the world we have the Electronic Frontier Foundation, in France there is La Quadrature du Net, all across Europe we have EDRi, in the Netherlands there is Bits of Freedom and on and on in every country in the world there are organizations, that fight for this stuff.

None of us are pure. All of us give money and time and energy to people who are working against our interests. We buy products, that have digital rights management on them. We participate in products sold by companies that advocate against network neutrality. Think about how much you spend every month on companies whose mission is to make the Internet into the world’s most perfect surveillance apparatus and figure out what proportion of that you think you should be giving to one of those other groups, that’s working to undo the harm, that they’re making. Every vegetarian eventually meets a vegan every vegan eventually meets a fruitarian every fruitarian eventually meets a breatharian. Nobody is pure, but we all do what we can. […]

Cory Doctorow, 2015

Antworten an Martin Langer

Es geht mal wieder um das Urheberrecht. Kurzfassung: Jan Böhmermann tweetet das altbekannte Nazi-Pisse-Foto von Martin Langer (es reicht schon nach Rostock Lichtenhagen zu googlen). Dessen Anwälte schicken Böhmermann eine Abmahnung. Der bezahlt, ärgert sich aber öffentlich darüber. Vor allem da Freunde von ihm ebenfalls abgemahnt werden, die das Foto simpel retweetet haben. Danach wird es hässlich. Da Böhmermann den Namen des Fotografen nennt, starten dumme Böhmermann-Fans (die gibt es ja immer auch) eine Hetzkampagne gegen den Fotografen mit allem drum und dran.  Niemandem ist geholfen und Langer fragt sich in einem Kommentar auf kwerfeldein.de:

Woher kommt dieser Hass gegen mich? Wieso sagt oder tut das ZDF nichts gegen seinen Mitarbeiter? Wer hat hier eigentlich einen Grund, sich aufzuregen? Die Internetnutzer, der Fernsehmoderator Herr Böhmermann, der ungefragt mein Bild verwendet und mich anschließend an den Pranger stellt oder ich, dessen Rechte im Laufe der Zeit nicht nur dieses eine Mal verletzt wurden?

Martin Langer

Lassen sie mich ihre Fragen so gut es geht beantworten.

1) „Woher kommt der Hass gegen mich?“

Eines ist jedenfalls klar. Zu sagen Herr Böhmermann wäre Schuld an diesem Hass oder hätte ihn gar herausgefordert halte ich für Blödsinn. Dass er die große Internetdiskussion jetzt nutzt um für seine bald startende Sendung zu werben, sei ihm von mir gegönnt. Darf man aber auch scheiße finden. Aber all das erklärt nicht den Hass, den sie ansprechen. Der rührt von zwei ganz anderen Dingen her:

  1. Dem schrecklichen Aufschrei-Charakter der sozialen Netzwerke generell.
    Diesem lässt sich leider nichts in den Weg stellen. Wo Konflikte sind, da gibt es Trolle und Arschlöcher, die ihrer Meinung nicht mit Argumenten sondern nur mit dämlichen Verunglimpfungen Ausdruck geben können. Im schlimmsten Fall sogar ohne zu merken was sie da eigentlich mit anrichten und wie sehr sie Diskussionen im Internet zerstören.
  2. Der schon seit Jahren von allen Seiten viel zu emotional geführten Debatte um das Urheberrecht.
    Das Urheberrecht in seiner aktuellen Form ist im Internet leider kaputt. Das ändert erstmal natürlich nichts daran, dass sie, Herr Langer, juristisch gesehen im Recht sind. Ich kann sogar absolut nachvollziehen warum sie Herrn Böhmermann abmahnen, dessen Twitter-Profil eindeutig kein rein privates Vergnügen ist. Gleichzeitig hoffe ich aber, dass Gesetzesänderungen ihnen in Zukunft verbieten jemanden abzumahnen, der ihr Bild rein privat im Sinne der Fair-Use Regeln der USA verbreitet. An dieser Stelle kommen gefühltes und juristisches Recht derzeit nicht überein. Und das ist nicht nur mein gefühltes Recht sondern das gefühlte und gelebte Recht im ganzen Internet. Sei es in sozialen Netzwerken oder in Blogs.
    Leider wurde diese Debatte nie vernünftig sachlich auf politischer Ebene geführt sondern immer auf dem Niveau von Schuldzuweisung und Hass und auch in diesem Fall ist das Niveau der Diskussion beidseitig höchst fragwürdig.

2) „Wieso sagt oder tut das ZDF nichts gegen seinen Mitarbeiter?“

Dies ist natürlich eine rhetorische Frage und zeigt, dass auch ihr Argumentationsniveau zu wünschen übrig lässt. Das ZDF hat mit diesem Vorfall nun wirklich genau gar nichts zu tun.

3) „Wer hat hier eigentlich einen Grund, sich aufzuregen? Die Internetnutzer, der Fernsehmoderator Herr Böhmermann, der ungefragt mein Bild verwendet und mich anschließend an den Pranger stellt oder ich, dessen Rechte im Laufe der Zeit nicht nur dieses eine Mal verletzt wurden?“

Auch diese Frage meinen sie rhetorisch und wollen damit darauf hinweisen, dass sie doch der einzig Leidtragende sind. Das ist aber leider nicht der Fall. Sie sind Leidtragender Urheber und sie sind Leidtragender Diskussionsteilnehmer, der durch den Internetmob gejagt wird. Das ist zermürbend und scheiße. Andere Worte gibt es dafür nicht. Aber sie sind es eben nicht allein. Aufregen darf sich jeder deutsche Bürger über die Unzulänglichkeiten des Urheberrechts und aufregen darf sich eben auch ein Jan Böhmermann. Am besten weniger über sie, sondern mehr darüber, dass sein Rechtsempfinden so diametral von dem abweicht, was tatsächliches juristisches Recht ist.

Kurzum: Zielführender, als sich gegenseitig zu beschimpfen wäre es wohl sich zusammenzusetzen und zu erkennen, dass sie beide Leidtragende der selben dämlichen Rechtsgebung sind.

 

PS: Und ob ich mit diesem Artikelbild nun Urheberrechte verletze, welches auf Flickr zur privaten Verwendung unter CC-Lizenz freigegeben wurde, dass kann mir wahrscheinlich genau niemand sagen.

Entgoogle dein Internet! – Schritt 1: Firefox

Ich will über die nächsten Wochen mal wieder etwas mehr bloggen und dafür starte ich heute eine kleine Reihe: Entgoogle dein Internet.

Don’t be evil. – Google

Well you have to… – Me

Google ist nicht grundsätzlich das Problem. Google ist ein Unternehmen wie jedes andere auch, und da es eines der größten der Welt ist und auf dem Markt mit dem immernoch größten Wachstum der Welt unterwegs ist, geht es Google wie jedem anderen Unternehmen darum möglichst groß zu werden und den riesigen Internetmarkt zu beherrschen.

Das Problem: Google verfolgt dabei natürlich immer Eigeninteressen. Diese sind durchaus legitim, sind aber leider nur Unternehmensinteressen. Im Internet sind aber auch die Interessen der Internetnutzer von Belang. Daher ist es wichtig, dass Google und anderen Internetfirmen jemand gegenübersteht, der sich vor allem für die Plattformfreiheit des Internets und dessen Nutzer einsetzt. Für diesen Zweck hilft es solche Vereine mit Geldern oder Arbeit zu unterstützen und es gibt genug davon. Sei es die Digitale Gesellschaft in Deutschland, die EFF oder eben auch Mozilla.

Wer schon Geld gespendet hat, das nicht will oder kann, kann durch Mozilla aber auch viel einfacher für ein etwas offeneres Internet kämpfen: Installiert euch Firefox. Das ist der Browser den in den letzten Jahre viele von euch durch Chrome ersetzt haben, weil dieser ihnen viel performanter und schlanker vorkam. Das ist zum Glück inzwischen Vergangenheit. Aktuelle Firefox Versionen halten locker mit Chrome mit und übertreffen diesen auch gerne mal. Dazu kommt, dass sich Firefox deutlich einfacher und umfangreicher auf eure Bedürfnisse anpassen lässt. Und zu guter letzt könnt ihr damit der Allmacht von Google ein kleines Schnippchen schlagen.

Weitere Tipps, um euer Leben einfach zu entgooglen, gibt es bald!

De Maizières kluge Worte

Das Internet muss „genauso geschützt werden wie unsere übrigen Errungenschaften.“, sagte De Maizière laut AFP bei der Eröffnung des Internationalen Forums für Cybersicherheit (kurz: Irgendwas Böses mit Cyber). Nachdem in den letzten Tagen sowohl die Kanzlerin, als auch die SPD-Spitze, als auch die Grünen-Spitze höchst fragwürdige Aussagen zum Thema Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung gemacht hatten, die zum Glück teilweise wieder zurückgenommen wurden, sagt endlich mal jemand einen intelligenten Satz.

Das Internet muss „genauso geschützt werden wie unsere übrigen Errungenschaften.“ Völlig richtig, Herr De Maizière. Das Internet sollte nicht mehr überwacht werden, als wir es in unserem täglichen Leben auf der Straße erleben. Im Internet sollte es auch nicht verboten sein, dass wir Maßnahmen ergreifen um unsere Privatsphäre zu erhalten, zum Beispiel indem wir flüstern oder einfach bestimmten Leuten Dinge nicht erzählen, da sie sie nichts angehen. Über Internettechnologien sollten Nutzer auch nicht so behandelt werden, als könnte jeder von ihnen schuldig sein, so wie es auch ein Polizist nicht tut, der auf Streife durch die Stadt flaniert.

Das Internet muss „genauso geschützt werden wie unsere übrigen Errungenschaften.“ Absolut korrekt, Herr De Maizière. Internetkriminalität solte daher aktiv bezwungen werden, indem Strafverfolger Verdächtige ausmachen, sich richterliche Beschlüsse ausstellen lassen, um so den Tätern auf die Spur zu kommen und ihnen ihre Straftaten beweisen zu können. Ganz so wie im langweiligen analogen Polizistenalltag und nicht so wie im spannenden Tatortalltag, in dem Kommisare aus Jux und Dollerei durch Wohnungen spazieren und Beweismittel wie es ihnen passt in die Hose stecken.

Das Internet muss „genauso geschützt werden wie unsere übrigen Errungenschaften.“ Nie hat ein Innenminister weisere Worte gesprochen, oder tue ich ihnen da jetzt Unrecht, Herr De Maizière?

Die deutschen Sicherheitsbehörden müssen „befugt und in der Lage sein, verschlüsselte Kommunikation zu entschlüsseln oder zu umgehen, wenn dies für ihre Arbeit zum Schutz der Bevölkerung notwendig ist“.

De Maizière, 2015

Sei politisch!

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Diese Grafik fand ich heute mittag in meiner Twitter-Timeline und der gute @astefanowitsch, der sie scheinbar erstellt hat, liegt mit seiner Einschätzung wohl goldrichtig: Ob wir wählen gehen oder nicht, macht keinen messbaren Unterschied, aber immerhin können wir uns Brötchen holen. Das trifft leider nicht nur auf die Europawahl sondern natürlich  auf jede demokratische Wahl zu.
Das demokratische Paradox, dass eine Stimme keinen Unterschied macht und doch jede Stimme wichtig ist, plus der NSA-Skandal sind zwei Gründe, die mich in diesem Jahr fast zum Nichtwähler gemacht hätten. In den letzten Jahren hatte ich mir die Wichtigkeit meiner Stimme gerne vorgegaukelt, indem ich die Ergebnisse meines Wahlkreises genau angeschaut hatte. Je kleiner die Anzahl der Stimmen, desto größer die Auswirkung und siehe da: In meinem Wahlkreis hatten die Piraten überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Ich hatte Einfluss gehabt. Alles Quatsch!

In Wirklichkeit bleibt nur eine Wahrheit: Ob ich wählen gehe oder nicht, wird den Ausgang der Wahl kaum beeinflussen. Aber natürlich gilt: Auch mein Nichtwählen wird kaum als Protest wahrgenommen werden. Also einfach resignierend und gelangweilt das geringste Übel wählen um sich weiterhin politisch fühlen zu dürfen?

Die relativ einfache Antwort kam mir während dieser Wahlkampfperiode, die ermüdend und unpolitisch wie immer war: Ja, ich gehe natürlich wählen aber das alleine macht mich nicht politisch. Ich lebe vegan, gehöre den Piraten, dem CCC und der Gesellschaft für Informatik an, ich propagiere Verschlüsselung unter meinen Freunden UND ich gehe wählen. Nicht das Wählen allein macht mich zu einem politischen Menschen. Wäre ich viel weniger politisch, wenn ich das Wahllokal nicht betreten hätte? Vermutlich nicht, aber es gehört eben zu meinem politisch-sein dazu.

Daher lautet mein Appell an diesem Sonntag nicht: Geh wählen, sondern: Sei politisch!
Geh heute wählen, kauf dir Brötchen, aber viel wichtiger: vertrete deine Meinung. Blogge, spende, überzeuge und unterstütze die Vereine und Parteien, die dir wichtig sind.

Warum TextSecure sicherer ist als Threema

WhatsApp wurde an Facebook verkauft. Das ist lange keine Neuigkeit mehr, zeigt aber immer noch seine Nachwirkungen. Zuletzt zum Beispiel dadurch, dass Threema, eine vielgelobte, sichere Alternative zu WhatsApp, in Apples AppStore auf Platz 1 gelandet ist.

Wann immer mir jemand von Threema erzählt muss ich allerdings wiederum auf die Alternative TextSecure verweisen, denn mit dieser habe ich endlich eine Messenger-App gefunden, wie ich sie mir schon lange wünsche. Warum sie meiner Meinung nach besser ist hat mich zuletzt der großartige Herr Kaschke auf Twitter gefragt und da das nicht in 160 Zeichen passt, kommt hier die ganze Erklärung.

Zunächst möchte ich eine Lanze für Threema brechen, denn die Schweizer Firma Kasper Systems macht vieles sehr richtig.  Tatsächlich habe ich mich, schon lange bevor es die App tatsächlich gab, für den Newsletter angemeldet und war begeistert von der Vorstellungen, eine simple und sichere WhatsApp-Alternative zu bekommen. Nachdem auch meine Umwelt für einen Umstieg bereit schien, habe ich dann Threema in den Raum geworfen und niemand ist mir gefolgt. Zum Glück. Sonst hätte ich wohl nur einen Monat später den nächsten Umstieg erzwingen müssen. Denn sicher genug können unsere Messenger nunmal nicht sein. Ich hatte Glück. TextSecure wird von meinem Freundeskreis angenommen. Der Grund dafür ist simpel und einfach: Es ist simpel und einfach. Warum es dazu sicherer ist als Threema hat genau 2 1/2 Gründe:

1. TextSecure ist Open Source

Sicherheit hat immer auch mit Vertrauen zu tun. Wenn die Mädels und Jungs von Kasper Systems behaupten, sie würden die Nachrichten asymmetrisch mit 255 bit verschlüsselt senden, dann lässt sich das meist noch ohne Probleme beweisen indem man sich anschaut, welche Daten die App versendet. Fakt ist aber, dass diese Daten zumindest für einen Weile auf den Servern von Kasper Systems liegen müssen und spätestens hier bekommen wir Probleme. Da wir nicht wissen, was das Server-Programm mit den Daten macht, die dort ankommen, müssen wir die Versprechen von Threema eben als solche hinnehmen.

Aber nicht nur der Server macht uns Probleme. Zwar können wir die App wie gesagt darauf untersuchen, welche Daten tatsächlich versendet werden, was aber sonst beim Schreiben und Empfangen und damit beim Ver- und Entschlüsseln einer Nachricht passiert, kann niemand genau herausfinden. Die Sicherheit der Daten ist daher nur mit viel Aufwand nachprüfbar.

Anders bei TextSecure. TextSecures Quellcode lässt sich auf GitHub betrachten und verändern, wo ihn Whipser Systems, die Firma hinter TextSecure, bereitstellt – und zwar sowohl den Code für die Apps, als auch den Code für den Server. Aktive Hilfe ist nicht nur erlaubt sondern ausdrücklich erwünscht. So kann sich jeder, der etwas von den Programmiersprachen und Kryptographie versteht, hinsetzen und den Code zurecht rücken, Fehler finden und bestenfalls auch beheben. Tatsächlich experimentiert Whisper Systems derzeit sogar mit einem System, welches Entwicklern, die Verbesserungen zu TextSecure beitragen, automatisch einen Teil der BitCoin-Spenden an das Projekt zukommen lässt. Wer hilft wird also in jedem Fall belohnt.

Ein letztes Problem bleibt natürlich: Ob Whisper Systems tatsächlich diesen Code auf ihren Servern laufen lässt oder irgendeinen anderen, können uns nur die Server-Admins beantworten und deren Antwort setzt einmal mehr Vertrauen voraus. Dadurch, dass Server und Client frei sind ist es allerdings möglich einen eigenen Server aufzusetzen und damit wird auch dieses Problem hinfällig. Letztlich müssen wir so oder so dafür sorgen, dass unsere Daten sicher bleiben, selbst wenn sie von den Servern der jeweiligen Anbieter gefischt werden, denn dass dies passiert lässt sich, wie Snowdens Enthüllungen zeigen, offensichtlich nicht verhindern. Einen Schritt dahin tut Whisper Systems und das ist der zweite Grund, warum TextSecure die sicherere Alternative ist.

2. TextSecure ist der einzige Messenger, der Perfect Forward Secrecy implementiert

Eigentlich wird es jetzt technisch. Da ich das Problem aber nicht so schön erklären kann wie Wikipedia und Whisper Systems selbst, gibt es hier nur die kurze untechnische Variante:

Variante 1: Nehmen wir an irgendeine Person, nennen wir sie Nelson Sascha Ashton (kurz NSA), wollte deine Nachrichten mitlesen. Dazu sammelt NSA alle deine Nachrichten in einer großen Datenbank. Da du aber immer fein verschlüsselt hast, kann NSA die Nachrichten gar nicht lesen. Gesammelt werden sie dennoch. Irgendwann hat NSA die Nase voll von deinen Tricks. Er platziert einen gezielten Tojaner auf deinem Handy, erschnüffelt sich deinen privaten Schlüssel und kann nun alle gesammelten Nachrichten, die an dich gesendet wurden entschlüsseln. Dabei findet er heraus, dass du gerne Affenmasken trägst, hält dich für verrückt und sperrt dich in einen Zoo.

Variante 2: Gleiches Szenario. Diesmal wurden deine Daten aber mit Hilfe von Perfect Forward Secrecy (PFS) verschlüsselt. Das heißt, dein privater Schlüssel wurde nur genutzt um für jede Nachricht, die du verschickst, einen eigenen Schlüssel zu erzeugen und zu übertragen. Das Ergebnis könnte schöner nicht sein, denn nun sitzt NSA zwar auf deinen Nachrichten und hat deinen privaten Schlüssel, kann deine Daten aber immer noch nicht entschlüsseln. Du kannst weiter Affenmasken tragen und so klappts auch wieder mit dem Nachbarn.

PFS ist natürlich nicht der König der Verschlüsselung, über die gar nichts mehr geht, aber es ist ein wichtiges Feature moderner Verschlüsselung und Whisper Systems hat es erstmals sinnvoll in einen Messenger verbaut, bei dem nicht beide Personen gleichzeitig online sein müssen. Das oben genannte Szenario birgt außerdem viel größere Gefahren. Wenn der gute NSA nämlich erstmal Zugriff auf dein Handy und deinen privaten Schlüssel hat, sind die Nachrichten, die dort gespeichert sind, wie auch alle deine Tastatureingaben nicht mehr weit. Das aber nur am Rande um ein bisschen Angst zu schüren…

2 1/2. TextSecure ist Snowden-approved

Der letzte Grund ist simpel: Snowden lobt Whisper Systems und TextSecure. Na dann ist doch alles geklärt…

Fazit

Wer „Plastik mit dem Apfel“ nutzt, nutzt Threema solange bis TextSecure für iOS rauskommt. Irgendwann in diesem Jahr sollte es soweit sein und ihr könnt euch hier benachrichtigen lassen.

bmind ist nun auf Uberspace

bmind.de ist umgezogen. Hat keiner gemerkt? Vor allem ich. Ich war jahrelang auf g4w.de. Guter Service, sehr günstig, das wohl altbackendste Konfigurationstool, das ich je gesehen habe. Das hat mich lange nicht gestört und auch die Tatsache, dass es kein SSH gab, war mir erstmal egal. Für wenig Geld kann man ja auch nicht viel verlangen.

Denkste. Mit Domain kostet ein Zugang bei Uberspace mindestens 1,50€ (1€ + 50ct pro Domain). Die Idee: Man darf beliebig viel mehr zahlen und damit den Space für andere Nutzer mitfinanzieren. Dafür bekommt man im Grunde alles was, das Webserver-Herz begehrt. Eigener SSH-Zugang? Jip, und er lässt einem nahezu alle Freiheiten. Eigene php.ini nutzen? Kein Problem. Beliebige eigene Mailfilter erstellen? Kein Problem. Apache2 Optionen per .htaccess setzen? Ohne Einschränkungen möglich. Zugriff auf Backups? Einfach über den SSH-Zugang.

Dazu ist der Service wahnsinnig freundlich, das Dokumentationswiki sehr übersichtlich und hilfreich, und die Möglichkeiten unausschöpflich. Ich betreibe inzwischen zusätzlich zu dieser Seite einen TinyTinyRss und eine private OwnCloud-Instanz auf dem Server und das alles für derzeit 2€ im Monat. Über die nächsten Monate wird das teurer werden. Nicht weil das jemand von mir verlangt, sondern weil ich  bereit bin mehr zu zahlen. Obwohl natürlich alles auf Shared-Servern läuft, fühlt sich Uberspace mit seinen unzähligen Möglichkeiten fast nach Root-Server an und dafür liebe ich es.

Fazit: Probiert Uberspace aus und werdet begeistert! Ich werde bald eine Beitragsreihe machen, wie man sich in wenigen Schritten frei von Google und co. macht. Uberspace wird da als Tipp definitiv noch einmal Erwähnung finden.

tl;dr Uberspace

Warum Oculus Rift das Gaming tatsächlich revolutionieren könnte

Die große Revolution der Gamingbranche lässt weiterhin auf sich warten. Im Jahr 1996 wurde mit dem N64-Controller tatsächlich eine neue Ära des Gaming eingeleitet. Analog statt Digital war die Devise bei der Steuerung. Eine Steuerung ideal für die damit aufkommende 3D-Grafik auf Spielekonsolen und alle so yeah…

17 Jahre später – ich bin selber überrascht, dass es so viele sind – hat es in meinen Augen eine solche Revolution nicht nochmal gegeben. Die heutige Grafikpracht ist mit damaligem Pixelmatsch natürlich nicht zu vergleichen, und wie man vernünftig einen Shooter auf die Konsole bringt, musste uns Microsoft mit Halo zeigen, aber Revolutionen waren das nicht. Es waren Evolutionen. Gemächliche sinnvolle Erweiterungen, die uns zu dem Gaminggefühl gebracht haben, dass man eben heute hat.

Die Firma, die 1996 den Analogstick erfindet ist auch die erste, die versucht eine erneute Revolution zu starten und statt Bescheidenheit setzt Nintendo auf Kampf: Als Nintendo Revolution wird 2005 der GameCube Nachfolger angekündigt. Der Clou soll mal wieder die Steuerung sein. Die Idee funktioniert, die umgetaufte Nintendo Wii verkauft sich 2006 wie geschnitten Brot, wieder ziehen die Konkurrenten nach, doch schon als Microsoft Kinect ankündigt, interessiert sich eigentlich niemand mehr für die Gestensteuerung. Die Revolution bleibt aus. Der neue PS4 Controller macht es uns vor. Neuerung: Ein Share-Button und ein Touchpad. Evolution.

Im letzten Jahr wurde dann klar: Neue Konsolen braucht das Land. PS3 und Xbox 360 stoßen an ihre Leistungsgrenzen und für die Matschegrafik der Wii und ihre Gestensteuerung lässt sich schon lange nicht mehr begeistern. Also versuchen sie es alle erneut: Revolution. Nintendo erschafft einen neuen Controller mit Touchscreen, man fragt sich vielerorts, was er für Vorteile bringen soll und die Entwicklung bis heute scheint den Skeptikern Recht zu geben. Im Sommer dann die OUYA. Eine kleine Crowdfunding-Konsole, will Handyspiele wieder auf den Fernseher bringen. Der Gamer in uns fragt sich was das soll, schließlich gibt es immernoch Spiele auf dem Fernseher. Sie haben sogar Hochkonjunktur. Trotzdem funden wir fleißig mit, wer will schon für 100$ die Gamingrevolution verpassen – sie wird ausbleiben. Die OUYA ist eine nette kleine Gamingstation mit ein paar Indietiteln, Emulatoren und nem sehr guten Mediacenter.

Alles scheitert, nichts gefällt. Kein Wunder, dass Sony nichts wagt und einfach eine neue Konsole als Grafikbombe in den Ring wirft. Aber eine Hoffnung haben wir noch und die wird derzeit an die Funder ausgeliefert: Oculus Rift. Auch Rift war ein Kickstarter-Projekt und wurde erfolgreich finanziert. Es ist eine Videobrille, wie es sie schon zu Tausenden gab. Das Neue: Rift hat einen Betrachtungswinkel von angeblich 110°. Das bedeutet, dass nahezu der komplette Sehbereich das Auges vom Display bedeckt ist. Rift zeigt dabei dem Linken und dem Rechten Auge jeweils unterschiedliche Bilder, ist damit also auch 3D tauglich und zu guter letzt soll die Brille um die 300€ kosten. Das ist sehr wenig, wenn man bedenkt, dass man mit dem Ding auch keinen Fernseher zum Gaming mehr benötigt. Aber warum sollte Rift eine Chance und eine wirkliche Verbesserung sein, wo ich doch gerade die Geschichte der gescheiterten Revolutionen aufgezählt habe?

Rift hat eine Besonderheit. Es macht nichts völlig neu und verändert dabei doch das Spielgefühl immens. Rift ersetzt nicht den Controller. Die Konsole behält ihr Gamepad und der PC behält Tastatur und Maus. Das Headtracking, das Rift beherrscht, wird zwar zu einem zusätzlichen Element der Kontrolle, behindert dabei aber nicht zwangsläufig die schon bekannten Kontrollmechanismen. So steuert der Kopf in Team Fortress 2 eben den Kopf des Spielers. Schießen und Laufen funktionieren immernoch mit Tastatur und Maus (oder Gamepad). Sicherlich werden für Rift Egospiele boomen, aber auch Third-Person-Spiele sind denkbar. Vielleicht lässt sich mit der dadurch gewonnen Position des Spielers, als gottgleicher Beobachter des Geschehens arbeiten und ein gänzlich neues Spielgefühl entwerfen.

Ich bin sehr gespannt, ob und wie Rift den Markt verändern wird. Wie immer wird dies aber nicht nur daran liegen, was die Brille kann und nicht kann, sondern vor allem, wie sie genutzt wird, welche Hardwarepartner sie für ihre Konsolen unterstützen werden und… und… und… Mit Valve hat man sicher einen guten Partner gefunden, aber steht der Erfolg ihrer Steambox noch genauso in den Sternen wie der von Oculus Rift. Ich freue mich auf jeden Fall jetzt schon auf das nächste Jahr, wenn ich mich mit Rift ins Spielgetümmel und mit Google Glass ins Alltagsgetümmel werfen kann, ohne auf den Spaß eines HUD verzichten zu müssen.

Die Winterpause hat ein Ende

Toni und ich haben uns über Winter ein wenig auf die faule Haut gelegt. Das ist jetzt vorbei. Wir haben neue Lieder im Kopf, neue Aufnahmen in Vorbereitung und sind am Mittwoch endlich auch wieder live zu sehen.

Mi, 06. März 19:30 im H1 Bäcker in Münster.

Kommt vorbei. Es sind nicht nur wir dabei sondern auch Kaum Jemand. Ein Freund von uns mit großartigen Liedern wie diesem hier.

Ich freu mich auf euch und darauf endlich wieder mal Musik zu machen.
Grüße und auf bald!

Amazon ohne Amazon

Nach einem ARD-Bericht bricht er endlich auch mal über Amazon ein. Der große Shitstorm. Ich fordere: Hört auf mit dem Rumscheißen und tut einfach was. Amazon lässt sich nämlich leichter umgehen, als man das glaubt. Hier seht ihr wie:

Fakt ist: Auch ich möchte nicht auf Amazon verzichten. Die Seite ist übersichtlicher als jede Test- und Vergleichsseite, bietet gute Bewertungen und Berichte zu allen Produkten und dazu eine sehr gute Preisübersicht, denn Amazon bietet tatsächlich häufig den günstigsten Preis. Weder idealo noch billiger, guenstiger oder irgendein anderer Kandidat kann da mithalten. Selbst Google Shopping nicht, von dem man eigentlich genau das erwarten würde.

Das Problem: Wer auf Amazon sucht, kauft auch bei Amazon. Genau diesen Reflex kann man sich aber abgewöhnen.

Lösung: Statt dem 3 für 1 Amazon Angebot nehme ich halt das von MediaMarkt mit, dass sie einfach kopiert haben. Statt über den Amazon Marketplace zu kaufen, suche ich direkt nach dem Händler, der es dort anbietet. Meine Handyhülle suche ich auf Amazon, finde meinen Favoriten von fitbag und kaufe sie im vertriebseigenen Laden.

Nachteil: Ja es ist aufwändiger. Ja es kann schon mal teurer sein, weil Versandkosten nicht übernommen werden. Wem das nicht schmeckt, hat auch nichts zu meckern. Hört auf zu scheißen!

Und wenn ihr schon dabei seid, könnt ihr auch auf Naturstrom umsteigen, Stoffbeutel in den Einkaufsmarkt mitnehmen und regionale Produkte kaufen. Das geht auch außerhalb des Prenzlauer Bergs und ist günstiger, als viele das glauben. Klar, ist ein Lifestyle-Hipster-Ding, aber ich bitte euch: Es ist nicht das schlechteste.

Warum ich Google nicht liebe

An alle Apple-Fanboys, alle Android-Fetischisten, alle Chrome-ist-soviel-besser-Wiederholer, alle Linux-Fanatiker, alle Samsung-Verehrer, alle Fragmentierungs-Schisser*, dieser Text ist für euch, die ihr Tag und vor allem Nacht durch das Internet streift und euren Obsessionen frönt.

Unternehmen bergen große Probleme. Unternehmen sind Gebilde, die sich in unserem Wirtschaftssystem immer dann erhalten können, wenn sie möglichst viel Geld machen. Unternehmen kennen keinerlei Ethik, Unternehmen kennen keinen Fortschritt. Weder Google, noch Apple, noch Microsoft, noch Canonical, noch Samsung sind gut oder böse. Für ihre Produkte gilt das zunächst gleichermaßen. Natürlich werden Unternehmen von Menschen geleitet, die in ethischen und produktiven Kategorien denken können. Ich möchte nur noch einmal betonen, Unternehmen können das nicht. Das Ziel von Werbung ist häufig einem Unternehmen oder einer Marke genau diese Attribute zuzuschreiben. So wird Marlboro zur Freiheit, Ubuntu zur Menschlichkeit, Apple zur Revolution und Google zum Guten stilisiert. Das war schon immer so und gilt für jedes Wirtschaftsunternehmen mit ihren jeweiligen Werbebotschaften.

Es gibt Bereiche im Leben, die dem Menschen heilig sind. Häufig sind mit diesem Bereich auch bestimmte Waren verbunden. Dem Deutschen wird ja im Allgemeinen nachgesagt er habe große Gefühle für sein eigenes Auto, und wenn ich mal mein fahrradfahrendes Studentenumfeld außer Acht lasse, stimmt das wohl auch. So kommt es, dass die dahinterstehenden Marken oft götter- oder eben teufelsähnlich verhandelt werden. Wer VW fährt hasst Opel, wer Mercedes fährt nennt des Nachbars Karre vielleicht Bayrischen MistWagen, usw.

Nun leben wir in einer Welt, in der die technischen Geräte uns umgeben wie eine gallertartige Masse** und so hat es spätestens seit den 00er Jahren eben auch die Technikwelt erwischt. Man schwört auf Apple, hasst Google, kauft nur noch Samsung oder verachtet den Internet Explorer. Gerade das letzte Beispiel ist ein großartiges. Nicht weil der IE ein gutes Produkt wäre. Ganz im Gegenteil, es gibt gute Argumente dafür, warum Chrome und Firefox dem IE10 immer noch vorzuziehen sind. Trotzdem hat Microsoft vor ein paar Wochen genau die richtige Werbung geschaltet um unter Technikinteressierten auf sein ungeliebtes Produkt aufmerksam zu machen.

„The Browser you loved to hate“. Natürlich steckt dahinter die Idee von Microsoft aus Hass Liebe werden zu lassen. Etwas gewagt mit den „Neuerungen“ mit denen der IE10 aufwarten kann und dem Unverständnis dafür, dass die strikte Versionierung bei Browsern immer dem Web hinterherhängen wird, aber das ist eine andere Geschichte. Was ich nur sagen möchte ist, dass wir doch bitte alle etwas vorsichtiger sein müssen mit unseren Vorlieben gewissen Produkten und Unternehmen gegenüber. Warum sage ich wir? Nun ja, ich bin einer von euch. Mein Name ist Ruben und ich bin Linux-Fanatiker und exzessiver Google-Nutzer. Und doch versuche ich Windows nicht aus Prinzip abzulehnen, und doch versuche ich Apple nicht in allem was sie tun zu verteufeln, und doch finde ich es gut, dass die EU-Wettbewerbskommision dieses Jahr Google deutlich schärfer auf die Finger schauen möchte als es in den USA passiert.

Versucht es doch auch mal und trollt nicht bei der nächsten Gelegenheit wieder los. Das ist selten witzig und niemals bringt es die Diskussion weiter.

 

*) Menschen, die durch jeden neuen Mitbewerber glauben, ihr Ökosystem würde viel zu unübersichtlich werden.

**) Eine schaurige Vorstellung und doch ein wohl viel zu passendes Bild.

Valves Spielekonsole wird auf Linux basieren

Das behaupte ich zumindest. Hier könnt ihr lesen warum.

Valves Spielekonsole wird auf Linux basieren. Um der Falschmeldung sofort vorzubeugen: Das behaupte ich zumindest.

Gabe Newell, der Chef von Valve hat mit Kotaku über die Konsolen-Pläne seiner Firma gesprochen und was er da sagte, war zum einen wahnsinnig spannend und zum anderen kurz ernüchternd:

„Well certainly our hardware will be a very controlled environment,“ he said. „If you want more flexibility, you can always buy a more general purpose PC. For people who want a more turnkey solution, that’s what some people are really gonna want for their living room.

http://kotaku.com/5966860/gabe-newell-living-room-pcs-will-compete-with-next+gen-consoles

Ihre Hardware wird eine sehr kontrollierte Umgebung sein. Das klingt vielleicht für Open Source Enthusiasten grausam, muss aber definitiv nicht überbewertet werden. Valves Konsole wird kein PC sein, sondern eben eine Konsole mit wohl fest verlötetem Prozessor, Speicher und Grafikeinheit. Davon darf man ausgehen. Das bringt zum einen (Preis-)Vorteile beim Produzieren der Hardware und zum anderen kann Valve damit eine Leistung garantieren, die ihre Konsole bietet. Dadurch können Titel an diese Leistung angepasst werden. Valve wird den Grafikeinstellungshickhack vom PC vermeiden wollen. Soviel zur Hardware, aber unter welcher Software wird die „Steambox“, deren Name bis dato nur Spekulation ist, laufen.

Der Big Picture Modus von Steam wird natürlich Grundlage der Konsole sein, aber auf welchem Betriebssystem wird das Ding basieren? Steam läuft derzeit auf drei Betriebssystemen: Microsoft, Mac OS X und Linux (kürzlich in die Betaphase gestartet). Newell wird sich allerdings nur kurz den Kopf darüber zerbrochen haben wie die Antwort auf die BS-Frage lauten kann und seine Argumente werden in etwa so ausgesehen haben:

Windows: Meines Wissens laufen alle Spiele, die derzeit über Steam zu kaufen sind, unter Windows. Eine Konsole basierend auf dem BS mit den vier Fenstern würde den riesigen Vorteil bringen, dass man bereits über einen Kanon von mehreren hundert Spielen verfügen würde. Möglicherweise müsste man sie danach filtern, welche Spiele für ein Gamepad optimiert sind, dennoch blieben so einige übrig.
Der Vorteil ist kaum zu überschätzen. In einem relativ festen Markt, der von Nintendo, Sony und Microsoft beherrscht wird, würde eine NG-Konsole mit solch einem Startup definitiv auffallen.

Linux bietet den enormen Vorteil, dass Valve unabhängig von einem einzelnen Unternehmen ist. Valve möchte eine Konsole herausbringen. Eine Konsole benötigt eine Plattform und diese Plattform muss möglichst eigenständig sein. Eine Abhängigkeit von den Entwicklungen in Redmond (Microsoft) oder in Cupertino (Apple) ist eigentlich ein absolutes No-Go. Das gilt vor allem dann, wenn der Konzern von dem man abhängt, in direkter Konkurrenz zu einem selbst steht – wie es bei Microsoft der Fall wäre.
Betrachtet man zum Beispiel das angespannte Verhältnis zwischen Apple und Samsung muss man wohl vermuten, dass der Grund, warum Apple lange Zeit immer noch bei Samsung produzieren ließ und Samsung damit keinen Machthebel in der Hand hatte folgender war: Apple konnte relativ schnell auf andere Zulieferer umsteigen. Das wussten sowohl Samsung als auch Apple. Bei Steam und Windows wäre die Abhängigkeit viel größer und ein Umstieg nach Veröffentlichung der Konsole undenkbar.

Mac OS X: Kein Vorteil… wirklich. Das sage ich nicht, weil ich von Apple nichts halte. Ich erkenne einfach keinen Vorteil von Mac OS X für Valve.

Bleibt also die Frage: Was wiegt schwerer, der Vorteil von Windows oder Linux?

Beide wiegen viel und dennoch glaube ich, dass sich Valve unter keinen Umständen in die oben beschriebene Abhängigkeit von Microsoft begeben will. Betrachtet man die harsche Kritik an Windows 8 von Gabe Newell, liegt dieser Eindruck letztlich auch auf der Hand. Desweiteren hat Valve schon sehr viel Aufwand betrieben nicht nur Steam, sondern auch ihre Source Engine auf Linux zu portieren. Dieser wäre völlig für die Katz gewesen, wenn man ein Jahre später eine Windows-basierte Konsole herausbringt.

Es deutet sich an, dass Steam für Linux ein großer Erfolg werden könnte. Die geschlossene Betaphase wurde viel schneller erweitert, als man sich das vorgestellt hatte und die Entwickler scheinen immer wieder selber überrascht von dem großen Feedback der Linux Nutzer einerseits und von der schnell fortschreitenden Entwicklung andererseits. Das zeigte sich unter anderem darin, dass der Big Picture Mode auch in der ersten Betaversion für Linux schon enthalten war, obwohl Valve noch eine Woche vorher das Gegenteil behauptet hatte.

Bleibt noch die Frage zu klären: Was heißt das für Linux?

Ich bin kein Fan von Wiederholungen, daher werde ich an dieser Stelle einmal Michael Larabel von Phoronix zitieren:

As I said back in May and still stand by, „I wouldn’t be referring these important open-source contributors if I thought Valve was just using it as a crude way to kill open-source software or in the secret pocket of Microsoft. I’m very confident in Valve and their Linux intentions; the impact of their work can greatly benefit the entire Linux ecosystem in huge ways. Whether you’re a Linux gamer or not, it’s to everyone’s benefit that Valve’s striking Linux work is steaming with greatness.“

http://www.phoronix.com/scan.php?page=news_item&px=MTI0Njk

In diesem Sinne wird das nächste Jahr für Linux und vor allem für videospielende Linux Fans ein ganz besonderes werden.

 

[ Update 1 ]

Ich sollte Recht behalten. Damit, dass Valves Konsole auf Linux basieren wird (auch wenn die Plattform so offen sein wird, dass jeder geneigte Nutzer Windows installieren kann).

Vor allem aber damit, dass 2013 ein gutes Jahr für Linux Gamer wird: Zu Valve gesellen sich Blizzard, die in diesem Jahr zunächst einen ihrer Titel für Linux veröffentlichen wollen. THQ – noch von dem Humble Bundle Erfolg überwältigt – möchte ebenfalls die Möglichkeit von Linuxports prüfen. Wobei die Zukunft der THQ Marken ja sehr ungewiss ist, da sie nun einzeln verscherbelt werden, insofern braucht man sich da wohl keine zu großen Hoffnungen machen.

Wie mir Amazon mein Betriebssystem vermiest

Ubuntus Dash sucht bald automatisch nach Angeboten von Amazon.

Vor ein paar Tagen hat Canonical ein neues Feature zur derzeitigen Entwicklungsversion von Ubuntu hinzugefügt. Eine Suche im Dash, über den man bis dato Dateien und Programme finden konnte, sucht nun automatisch auch auf Amazon nach Angeboten.

Der Deal ist klar, Canonical muss mit Ubuntu Geld verdienen und kann dies unter anderem auch durch diese neuerliche Shopping-Integration. Während Mark Shuttleworth, der Milliardär hinter Canonical noch herumpolemisiert, die Ergebnisse seien keine Werbung, sondern eben eine intelligente Suche, kommt mir schon die Galle hoch – aus mehreren Gründen. Einige davon lassen sich hier und hier nachlesen.

Natürlich kann ein Nutzer mit etwas Kenntnis von Ubuntu das Feature ohne Probleme deinstallieren, aber dennoch bleibt für mich ein großes Problem: Ich kann meinen Freunden Ubuntu nicht mehr uneingeschränkt empfehlen. Ich habe immer versucht Ubuntu bei meinen Freunden voran zu treiben, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Meinen größten Erfolg konnte ich in meiner ersten WG feiern, wo 5 von 5 Mitbewohnern Ubuntu auf ihrem PC installiert hatten. Das hatte vor allem damit zu tun, dass ich sie unablässig dazu aufgefordert habe.
Hätte ich damals immer dazu sagen müssen: Allerdings musst du dieses und jenes Feature deinstallieren, denn sonst wird jede Suche nach Programmen an Canonical und Amazon übertragen, hätte ich mich nicht nur unwohl gefühlt, sondern wohl auch Überzeugungsschwierigkeiten bekommen.

Das führt für mich zu folgender simpler Rechnung: Wenn Canonical diesen Schritt nicht zurücknimmt, werde ich eben auf die ebenbürtige auf Ubuntu basierende Alternative Linux Mint umsteigen. Nicht weil ich zu blöd wäre, das Feature zu deaktivieren, sondern damit ich Menschen, die sich an meinen PC setzen und von dem Betriebssystem begeistert sind, dieses weiterhin ohne Vorbehalte weiterempfehlen kann.

Mein Vorschlag: Das Installationsprogramm sollte darauf hinweisen, dass die Dash nach Angeboten aus dem Internet suchen kann, und die Option bieten, diese Funktion zu deaktivieren.

 

[ Update 1 ]

Inzwischen hat Canonical reagiert. Im neuesten Update lässt sich die Funktion unter den Optionen zur Privatsphäre abschalten. Reicht mir leider noch nicht. Ich kenne genug Leute, die nie den Weg in die Optionen finden werden, weil sie sich eben keine Sekunde zuviel mit ihrem PC beschäftigen wollen. Ich weiß, dass es Menschen in der Ubuntu-Community gibt, die sagen: Für solche Menschen ist ein Linuxsystem eben nicht gemacht, aber ich halte dagegen. Gerade für diese ist Ubuntu eine geniale Alternative zu Windows.

Daher bitte: Macht aus dem opt-out ein opt-in. Die Funktion sollte standardmäßig deaktiviert sein. Alles andere ist in meinen Augen nicht tragbar.

Derweil genieße ich die Vorzüge von Cinnamon, der neuen Oberfläche von Linux Mint, die mit ihrem modernen und gleichzeitig klassischen Menü auch ein Problem löst, dass ich mit Unity immer hatte: Es ist äußerst kompliziert sich alle installierten Anwendungen anzuschauen.

 

[ Update 2 ]

Ach Canonical, du bist schon ein Verein. Jetzt bin ich doch wieder bei Ubuntu gelandet. Cinnamon kann auf Dauer einfach nicht mit der Intuitivität und Einfachheit von Unity mithalten. Auch wenn ich immernoch der Meinung bin, dass die automatische Suche bei Amazon ein Unding ist. Muss ich Leuten, denen ich das Betriebssystem zeige nun auch immer gleich zeigen, wie man es deinstalliert.

Ein Stück ehrliches Fernsehen

Bei Roche & Böhmermann entwickeln sich Gespräche, die ihren Namen verdient haben.

Charlotte Roche wirft Max Herre an den Kopf, seine Texte seien heute wesentlich schlechter als zu Freundeskreis Zeiten.

Max Herre, schon seit seinem Einspieler sichtlich genervt, wirft Charlotte Roche vor, sich nicht vernünftig vorzubereiten und sagt, dass Konzept der Sendung sei Scheiße.

Die Situation wird etwas unübersichtlich, weil viele durcheinander reden, und Max Herre verlässt für kurze Zeit das Studio. Er behauptet auf Toilette zu müssen, aber wahrscheinlich muss er nur kurz Luft holen.

Dass die Medien in so einem Fall von einem Fernseheklat sprechen, wundert wohl niemanden. Ich sehe die Dinge aber etwas anders. Die Sendung, von der hier die Rede ist, ist natürlich die Talkshow Roche & Böhmermann, die Anfang diesen Jahres startete und für ZDF Kultur eine doch respektable Quote aufweisen kann.
Ich habe die Sendung seit ihrer zweiten Folge regelmäßig in der Mediathek gesehen. Nun also dieser „Eklat„, der auch noch einen meiner Lieblingsmusiker betrifft. Doch dies ist nicht der erste nennenswerte Zwischenfall dieser Art in der Sendung. In der ersten Hälfte des Jahres redete Böhmermann so lange auf Britt Hagedorn ein, ohne diese zu Wort kommen zu lassen, dass sie wahrscheinlich nur zu gerne die Fassung verloren und Böhmermann die Meinung gegeigt hätte. Tat sie nicht wirklich, zumindest nicht vor den Kameras. Was machen Böhmermann und Roche also da für einen Blödsinn?

Meine Antwort: Ehrliches Fernsehen. Roche und Böhmermann gehen gezielt ungeplant vor. Hier und da wirkt das etwas angestrengt, hier und da bekommt jemand eine verbale Ohrfeige – das können durchaus auch die Moderatoren selber sein. Und dann sitzen die beiden am Ende der Sendung alleine am Tisch und diskutieren sich die vergangene Aufzeichnung vom Leib. Da darf dann auch mal tief Luft geholt, der ein oder andere Fehler angemerkt und gehofft werden, dass man den Gesprächspartnern nicht mehr im Backstage begegnet.
Ehrlich ist daran, dass die Gespräche so ungekünstelt wirken wie sie von Öffentlichkeitsprofis nur ungekünstelt wirken können. Dass zwischen Gästen nicht galant übergeleitet wird, sondern alles miteinander verschwimmt und sich in jeder Sendung mindestens einer finden lässt, der viel zu stiefmütterlich behandelt wurde, unterstützt diese Ehrlichkeit. So funktioniert nun einmal Kommunikation ohne Redekissen und einem Moderator, der über allen steht. Bei Roche & Böhmermann entwickeln sich Gespräche, die ihren Namen verdient haben. Das kann zu kongenialen Momenten führen oder auch mal stinklangweilig sein, so wie es sein sollte, wenn es ehrlich sein will.

Ich bin mir sicher, Roche und Max Herre haben nach der Sendung nochmal darüber gesprochen, haben sich entschuldigt und können inzwischen über die ganze Sache lachen. Vielleicht aber auch nicht. So funktioniert es nunmal, das Reden, im (fast) wahren Leben.

Passiert hier denn gar nichts mehr?

Doch… einiges.

Allerdings gebe ich zu, dass ich etwas schreibfaul geworden bin. Das soll sich hiermit ändern, Facebook ist ja nicht die Welt. Was gibt es also neues:

  1. Wir haben einen Auftritt auf dem Stemweder Festival und freuen uns unendlich darüber. (s. Termine)
  2. Unsere CD verkauft sich wie warme Semmeln und das macht uns mächtig stolz.
  3. Die Grünflächenunterhaltung war beide Male ein ganz großer Erfolg. Auch wenn Toni beim zweiten mal leider nicht dabei sein konnte und sich am Nürburgring hat zerquetschen lassen.
  4. Bald ist das Konzert mit inBEATween dem Chor in dem Toni auch mitsingt und den meine Mitbewohnerin leitet. Ich freue mich unheimlich drauf. Zumal wir eines der großartigsten Lieder der letzten Jahre in einer Singer-Songwriter-Chor-Version arrangieren werden. Es ist sehr zu empfehlen vorbeizukommen.
  5. Nur vier Punkte sind doof, daher gibt’s nen fünften.

Beste Grüße und ich hoffe wir sehen uns bald mal auf einem unserer nie enden wollenden Auftritte.

Ruben